Die besten Wissens-Tipps: So wird in Deutschland Strom produziert

Wenn es etwas gibt, das unbestritten zu unser aller Alltag gehört, dann ist es das Thema Strom. Als Kunde kann man es sich leicht machen und sagen: Strom kommt aus der Steckdose. Dieser Satz ist so wahr wie einfach, doch hinter dem Themenbereich Strom steckt viel mehr. Wer regelmäßig Nachrichten schaut, dem dürften Begriffe wie Energiewende, Kernenergie oder erneuerbare Energien bereits begegnet sein. Doch was steckt dahinter und woher kommt der Strom wirklich? Hintergrundwissen zur Stromgewinnung kann nicht nur helfen, mögliche Lücken in der Allgemeinbildung zu schließen, sondern dient als effiziente Maßnahme im sparsamen Umgang mit einer der wichtigsten Ressourcen unserer Zeit. Strom verbrauchen kann jeder, Strom sparen dagegen nicht. Der nachfolgende Artikel schlüsselt den Strommix in Deutschland anhand einer Infografik von Antoine Werner Beinhoff  auf und verrät, aus welchen Quellen wir Bundesbürger unseren Strom beziehen.

Stetig steigender Strombedarf

Der Energiehunger in den modernen Industrienationen ist ungebrochen. Allein in Deutschland liegt der jährliche Bedarf an elektrischer Energie bei rund 600 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Ein gewaltiger Wert, der nachvollziehbarer wird, wenn man sich dazu den durchschnittlichen Stromverbrauch pro Kopf anschaut. Im Jahr 2011 lag dieser bei knapp 7.000 kWh, das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch eines 6-Personen-Haushalts. Seit den 60er Jahren hat sich der Bedarf an elektrischer Energie nahezu verfünffacht. Obwohl der durchschnittliche Verbrauch in den letzten zehn Jahren nicht mehr so rasant gestiegen ist wie in den Jahrzehnten zuvor, ist der Stromhunger in Deutschland enorm. Das leuchtet ein, betrachtet man die fortschreitende Entwicklung moderner Technik, die uns unseren Alltag angenehmer macht. Dank der Erfindung energiesparender Technologien konnte der drohende Energiekollaps verlangsamt werden. Gründe für den Anstieg des Strombedarfs gibt es viele. Die Ansprüche an Komfort und Luxus steigen, die durchschnittlichen Wohnflächen wachsen, sinkende Anschaffungskosten für elektrische Geräte machen den Einstieg in die High-Tech-Welt einfach und die Vorbehalte gegenüber energiesparenden Technologien werden nur langsam abgebaut.

Und wie es dann so ist: Die Familie sitzt am Sonntagmorgen gemeinsam beim Frühstück und plötzlich fragt der Junior seinen Vater in einem Anflug von kindlicher Neugier: "Sag mal Papa, woher kommt eigentlich der Strom?" Das ist sicher keine der Top 10 Kinderfragen, aber eine, die in unserer hochtechnisierten Zeit kommen könnte. Und wenn sie kommt, könnt Ihr sie beim nächsten Mal auch beantworten. Anhang der nachfolgenden Infografik von Antoine Werner Beinhoff stelle ich Euch die Anteile der einzelnen Energieträger am erzeugten Strom aus dem Jahr 2015 vor.

 

Strommix für Deutschland: So wird der Strom produziert

Infografik Quelle: Antoine Werner Beinhoff

Energiewende: Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Betrachtet man die obige Infografik, so fällt zunächst der hohe Anteil an Kohleenergie auf. Rechnet man Braunkohle- und Steinkohle-Energieträger zusammen, so kommt man dabei auf einen Wert von 42,2 Prozent. Insgesamt liegt der Wert der sogenannten fossile Energiequellen, also Steinkohle, Braunkohle, Torf, Erdgas sowie Erdöl, sogar bei 55,9 Prozent. Insbesondere der Kohleabbau blickt in der Bundesrepublik Deutschland auf eine lange Geschichte zurück, deren Wurzeln gar im ausgehenden 17. Jahrhundert liegen. Doch erst die Industrialisierung machte aus dem Kohleabbau ein lukratives Massengeschäft. Der Erfolg des Kohletagebaus liegt in einem vergleichsweise einfachen Abbauverfahren. Insbesondere Brauchkohle liegt in gut erreichbaren Tiefen unter der Oberfläche und konnte somit schon zu Beginn mit simplen Hilfsmitteln in größeren Mengen gefördert werden. Dass auch heutzutage noch unsichere Abbauanlagen verwendet werden, wird deutlich, wenn man auf die Förderbedingungen beispielsweise in China oder Chile schaut.

 

Die fortschreitende Technologie bescherte uns stromhungrigen Bürgern dann die Kernenergie, die im Jahr 2015 einen Anteil von 14,1 Prozent hatte. Energiegewinnung durch Kernspaltung ist ein zweischneidiges Schwert und gerät, aufgrund erheblicher Risiken und tatsächlich eingetretener Katastrophen, zunehmend in Verruf. Erstmals elektrischer Strom aus Kernenergie wurde in Deutschland im Jahr 1961 in das Stromnetz eingespeist. Nach einem vergleichsweise kurzen Siegeszug der Atomkraftwerke, werden nun nach und nach Kernkraftwerke außer Betrieb genommen, um den festgelegten Atomausstieg bis zum Jahr 2022 zu schaffen.

 

Dass es auch anders geht, zeigt der stetig wachsende Anteil an Erneuerbaren Energien. Wir sind mittendrin in der Energiewende und die Stromproduktion aus Wasserkraft, Erdwärme, Bioernergie, Meeresenergie, Sonnenenergie und nicht zuletzt Windkraft, machte einen Anteil von 29,9 Prozent im Jahr 2015 aus. Fast ein Drittel der gesamten Stromerzeugung wird aus regenerativen Energien gewonnen. Das ist bereits jetzt beachtlich, wenn man sich die Aussagen der Kritiker der letzten Jahre anschaut, die das Wachstum der erneuerbaren Energien in erheblichem Maße unterschätzt haben. Die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (kurz: IRENA) prognostiziert bis zum Jahr 2030 eine Verdopplung des gegenwärtigen Anteils regenerativer Energien. Für die Bundesrepublik gilt eine Selbstverpflichtung, die den Erneuerbare-Energien-Anteil bis zum Jahr 2020 auf 19,6 Prozent heben will. Gute Aussichten also für umweltfreundliche Stromerzeugungsverfahren.

Folgt man den Infografik von Antoine Werner Beinhoff, so ist der große Gewinner im Bereich der regenerativen Energien ganz klar die Windkraft, die eine Steigerung von rund 50 Prozent erreichte. Und auch Photovoltaik ist ein beliebtes Verfahren zur Stromgewinnung. Erneuerbare Energien liegen also voll im Trend, was auch durch die konstant gebliebene Entwicklung im Bereich der fossilen Brennstoffe sowie die Abnahme der Anteile konventioneller Energieträger gestützt wird. 

 

Infografik Quelle: Antoine Werner Beinhoff


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