Die besten Netzwelt-Tipps: Facebook-Plugin rechtswidrig

Es gibt Gerichtsurteile, die sich interessant lesen, am Ende jedoch nur wenige Menschen betreffen. Meistens diejenigen, die vor Gericht gezogen sind. Und dann gibt es diese Grundsatzurteile, die ganze Branchen bis ins Mark erschüttern. Ein solches Urteil mit Signalwirkung hat das Landgericht Düsseldorf jüngst gefällt. Es betrifft sogenannte Social Media Plugins und damit eine ganze Menge Webseiten und Blogs. Worum es in dem Urteil geht und was ich als Blogger dazu sage, erfahrt Ihr im nachfolgenden Kommentar.

Like-Button-Plugin vs. Datenschutz 0:1

Ganz offiziell ist Justitia die Personifikation des Rechts. Die blinde Dame mit Schwert und Waage steht seit der Römerzeit dafür, dass Recht unabhängig von persönlichen Interessen, hart, aber trotzdem unter Abwägung der Sachlage gesprochen wird. Ganz unbeeindruckt von der Realität, hat das LG Düsseldorf unter dem Aktenzeichen 12 O 151/159 nun ein Urteil gefällt, das für unzählige Webseitenbetreiber unangenehme Folgen haben könnte. Auf Einwand der Verbraucherzentrale, die so etwas wie die Personifikation des Datenschutzes sein möchte, haben die Richter die sogenannten Like-Button-Plugins für rechtswidrig erklärt. Datenschutzrechtliche Grundlagen seien verletzt, weil bereits beim Aufrufen der Seite über ein solches Plugin schutzbedürftige Daten an Facebook weitergegeben würden. Einerseits klingt das zunächst plausibel und Datenschutz sollte immerhin jeden angehen, der regelmäßig im Internet unterwegs ist. Vor allem sollte es auch die Webseitenbetreiber etwas angehen, die im Sinne ihrer Kunden auf einen funktionierenden Datenschutzmechanismus setzen sollten.

Auf der anderen Seite sind die Social Media Plugins auf hundertausenden von Internetseiten zu finden und gehören dort zum Landschaftsbild. Zudem entfalten sie für viele Unternehmen eine enorme Werbewirkung, denn heute bestimmt nicht mehr die Qualität der Produkte über einen guten Umsatz, sondern die Anzahl der Follower. Genau genommen sind es nicht einmal die bunten Bildchen, die den Datenschützern ein Dorn im Auge sind, sondern die Tatsache, dass Plugins zum Tracking verwendet werden. Über zuweisbare IDs kann das Surfverhalten der User detailliert verfolgt werden. Die Rechtswidrigkeit mag unsinnig erscheinen für User, die sich dieser Tatsache bewusst sind. Unerfahrene Nutzer, und das dürfte der allergrößte Teil sein, sind sich der technischen Verfolgungsmöglichkeiten jedoch kaum bewusst. Das Schutzbedürfnis ist also eindeutig vorhanden, auch wenn viele User auf Facebook, Twitter oder Google+ mit heftigem Kopfschütteln reagierten.

Es geht in die Verlängerung

Bei allem Verständnis für den Datenschutz bleibt zumindest Hoffnung auf einige Änderungen, denn das Urteil des LG Düsseldorf (Az. 12 O 151/159) ist noch nicht rechtskräftig. Sollte das Urteil jedoch einen Präzedenzfall schaffen, könnte damit das gesamte dynamische Internet wie wir es heute kennen, gefährdet sein. Und es stellen sich existenzielle Fragen: 

Kann das Internet überhaupt bestehen, wenn auf das großzügige Sammeln von Daten verzichtet wird? Wie benutzerfreundlich werden Internetanwendungen sein, wenn Trackingverbote eintreten sollten? Klar, Tracking nützt in erster Linie dem Verfolger. Doch auch verfolgte Internetnutzer profitieren in gewissem Maße davon, dass ihr Verhalten analysiert wird. Der Fall bleibt also spannend.

 

Abmahnen Deluxe?

Das Urteil gilt nur für den Fall "Peek & Cloppenburg gegen Verbraucherzentrale". Trotzdem eröffnen derartige Entscheidungen findigen Anwaltskanzleien jede Menge Einfallslöcher für sogenannten Massenabmahnungen, die zwar verboten sind, dennoch mit skrupelloser Gewinnerzielungsabsicht als juristisches Werkzeug eingesetzt werden - alles im Sinne der Gerechtigkeit natürlich. Webseitenbetreiber tun gut daran, die Entwicklung weiter zu verfolgen. Grund für panisches Löschen sämtlicher Plugins gibt es zwar nicht, wer auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte seine Social Media Plugins jedoch auf das "Zwei-Klick-System" umstellen, um erst gar keine Angriffsfläche zu bieten. Statt auf Plugins zu setzen, können vorsichtige Betreiber auch einfach auf ihre Facebook-Site verlinken. So wird dem Austausch von Daten vorgebeugt.

 

 

Und nun zu Euch: Habt Ihr bereits gehandelt? Was sagt Ihr zu dem Urteil?

Postet Eure Meinungen gern in den  Kommentaren:


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